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Der Chen Stil von Tai-Chi Chuan




Wenn wir ein kraftvolles und kriegerisches Tai Chi sehen möchten, ist Meister Chen der Beste, um uns eine wahrhaft unvergleichbare Ausführung darzubieten.

Und wenn ich kraftvoll sage, darf man es sich deswegen aber nicht hart, sondern trotzdem weich vorstellen. Die Essenz des Tai Chi und sein paradoxes Geheimnis ist, dass das Weiche das Harte besiegt; Ein interessantes Konzept, dass wir uns auch alle vorstellen können, aber es in die Praxis umzusetzen, ist noch mal was ganz anderes.

Die klassischen Metaphern mit dem Bambus oder mit dem Wasser ..all das ist uns gut bekannt, dank der in den letzten Jahren enormen Verbreitung der orientalischen Philosophie im Westen.

“Einfach gesagt, aber schwer getan”, wie die Redewendung so schön sagt, denn an dem Zeitpunkt der Verwirklichung passiert es doch recht oft, dass das einstudierte Tai Chi nicht mehr ist als eine angenehme und auffallende Performance. Natürlich, dem Körper tut es auf alle Fälle gut, aber ist dies Kriegskunst? Ist das die echte Kriegskunst, mein Freund? Der Definition nach ja, obwohl so wirklich kämpferisch?...bis ich jedoch eines Tages, Meister Chen bei seiner Arbeit zugesehen habe.

Ja, die Weichheit, die war da; aber eben auch die nötige Härte, mit der er seine Kraft wiedergeben kann.

“Das Tai-Chi ist wie der Bambus, wenn du ihn beugst, biegt er sich mit dir, aber in dem Moment, in dem du loslässt, schnellt der Stamm wie ein geflitzter Bogen zurück.“ Erklärt mir Meister Chen in unserem ersten Treffen.

Sein direkter Schüler, Diego Cáceres, hatte mir gegenüber schon erwähnt, dass Chen anders ist. Gut, dass ist eine Beteuerung, die ich schon oft gehört habe in unseren Kreisen, aber diesmal war es einfach wahr.

Deswegen, und nach dem Erfolg, den sein erstes Video über die Form „YI LU”, den relevanten Stil Chens, hatte; habe ich nun den Meister gebeten, ein Buch zu schreiben.

Ein definitives Buch für die Schüler des Tai Chi.

In dem die Form „YI LU“ Schritt für Schritt erklärt wird, aber um stimmiger mit dem kriegerischen Anteil des Tai Chi’s zu sein, haben wir ihn gebeten, in diesem Buch auch das zu beschreiben, was im Karate gemeinhin als “Bunkai” beschrieben wird; d.h. die Anwendungen, welche die Tradition als effektive Technik und traditionelle Bewegungen vorschlagen, um diese Formen auszuüben. Die Sache hört hier auf ein Tanz zu sein! Hier werden Arme gebrochen, Personen geworfen, es wird in die Weichteile geschlagen und all das nach den Schlüsselpunkten des Tai Chi:

Das Weiche besiegt das Harte. Das Ergebnis ist beeindruckend. Ein Buch mit mehr als 1000 Farbfotos. Ein komplettes Handbuch für das Meistern des Stiles von Chen, der sein Werk mit einem Video vervollständigt hat und das den Lesern von Kampfkunst zur Verfügung steht. Eine Arbeit; auf die wir alle hier in der Redaktion sehr stolz sind.

Alfredo Tucci

 

Der Chen Stil von Tai-Chi Chuan

Der Chen Stil ist der älteste bekannte Stil und wird als die Quelle des Tai-Chi Chuan angesehen. Mann kann sagen, dass er das Ergebnis und die Zusammenstellung verschiedener Kampfkünste ist.

Seine Ausführung beinhaltet verschiedene Techniken wie der Schlag mit der Faust, dem Ellbogen, der Schulter, dem Bein, dem Knie, sowie auch Würfe, Verrenkungen, Stilllegungen, Sprünge, etc..

Es gibt eine chinesische Volksweisheit, die sagt „Der ganze Körper hat Hände“, was soviel bedeutet wie, die Fähigkeit viele Teile des Körpers im Kampf einzusetzen.

Die Ursprünge des Chen Stiles finden sich Ende des 14ten Jahrhunderts, in einem kleinen Ort von Chenjiagou, in China.

Das war zu einem Zeitpunkt als Chen-Bu, den man für den Gründer der Chen Familie hält, sich in diesem Dorf niederließ, auch wenn diese Familie erst ab der 9ten Generation mit Chen Wang-Ting (1600-1680) berühmt wurde. Chen Fake, aus der 17ten Generation, reiste, als er ungefähr 30 Jahre alt war, von seinem Dorf in Chenjiagou nach Pekín. Dort angekommen, verhalf er dem Chen Stil zu einer klaren Berühmtheit, dank seiner ausgezeichneter technischen Begabung in dieser Kampfkunst.

Am Anfang gab es 7 Formen, die sich später auf 2 reduzierten, genannt Yi-LU und Er-LU (Pao Chui oder die Kanonen Form).

Beide zeichnen sich durch geschmeidige und langsame Bewegungen aus, die sich mit anderen schnellen und explosiven abwechseln, immer innerhalb der eigenen Kontinuität des Tai-Chi Chuan.

In der Er-Lu Form, wird das Fa-jing vermehrt angewendet, großteils in den Bewegungen. Die Stellungen sind niedrig und verwurzelt, was das Entladen der Kraft des Fa-jing begünstigt.

Das “Chanse-Ching” ist der typischste Wesenszug des Chen Stils. Er entstand aus dem Prinzip, das „den Seiden Kokon einwickeln“ heißt.

Es besteht aus der Arbeit mit der spiralförmigen Kraft: Das Chi (Energie) breitet sich spiralförmig von den Füssen aus, von dort verteilt es sich auf den ganzen Körper bis in die Hände.

Diese spiralförmige Bewegung, benützt man als Verteidigung oder zur Attacke.

 

Die ursprüngliche Kraft des Tai-Chi Chen

Das Tai-Chi Chen ist ein Stil, der die Vereinigung von entgegen gesetzten und komplementären Energien erkundet, eine Mischung dessen Kontrolle man lernen muss. Der Praktikant des Tai-Chi sollte die gleiche Natürlichkeit und das gleiche Können, wie das eines Neugeboren erlangen. Ich erläutere: Wenn der Fötus sich an dem Punkt kurz vor der Geburt im Bauch der Mutter ist, befindet er sich in einem Zustand des perfekten Stillstandes. Wenn der Uterus dann anfängt sich in kleinen Krämpfen zusammenzuziehen, hängt das Baby auch weiterhin von seiner Mutter ab; in dem ersten Moment, in dem das Baby auf der Welt ist, sind beide noch mittels der Nabelschnur verbunden. Erst in dem Moment, an dem die Nabelschnur durchtrennt wird und sich das Fehlen des Sauerstoffes bemerkbar macht, ist der Zeitpunkt eines ersten Bedürfnisses gekommen. In dem Augenblick, in dem es einen Klaps bekommt um somit die Atmung durch den Mund anfängt, fühlt man wie ein energischer Krampf seinen Körper durchfährt und dieser die Atmung auslöst. Diese mächtige und unbezähmbare Erschütterung, ist die gleiche, die wir versuchen mittels dem Tai-Chi herbeizuführen; ein Fluss von Energie, so stark, dass der Körper fast elektrisch zusammenzuckt, um zum einen den Schlag und zum anderen eine energetische heilende Entladung des Körpers herbeizuführen.

In dem Tai-Chi Chen, während man die Bewegungen der Formen ausführt, bringt man das eben erklärte Konzept als Grundlage an; mit konstanten Bewegungen die, die Energie aufnehmen, die sich wiederum sogleich ausdehnt um, in diesem Fall, im Fa-jing zu explodieren.

Dieses gleiche energetische Gefühl, würdigt man auch in den eigenen Bewegungen des Körpers; das „sich einschließen“ und dann nach außen hin öffnen, zur gleichen Zeit führt man wellenförmige Bewegungen aus; ähnlich wie die Bewegungen einer Schlange.

 

Die elementare Energien und der energetische Kreislauf

Der Mensch antwortet auf die Kräfte des Himmels und der Erde und hängt von dem Austausch der Energie mit der Umwelt ab. Die Energien des Himmels und der Erde besetzen alles; beim sich verteilen, vereinigen sie sich zugleich wieder und kehren immer wieder in ihren Urzustand zurück.

Alles entstammt von Tao, dem einzigen und gleichsamen Prinzip. Das Qi ist die elementare Kraft, die erste Kundgebung des Ursprungs.

Das Qi polarisiert sich durch zwei Kräfte: Yin und Yang.

Jeder Zustand des energetischen Ungleichgewichtes erzeugt ein Unbehangen: Wegen Fehlen oder wegen Überflusses. Die Anhäufung nennt sich Xu (oder auch Yang) und das Fehlen oder die Leere nennt sich Zxu (oder Yin).

Der Mensch ist das Ergebnis dieser zwei Energien. Auf harmonische Weise erzeugt er Vibrationen mit seinen Bewegungen; diese ständige und kontinuierliche Veränderung kommt von einer energetischen Versorgung, die er erhält.

Ein Weg, um diese Energien zu erzeugen, wenn wir im kriegerischen Sinn reden, realisiert sich mittels der Atmung oder auch durch die eigene körperliche Betätigung. Die Energie Yang weitet aus, die Energie Yin dagegen zieht zusammen. Es ist dieses Zusammenspiel, das wir beim üben versuchen müssen einzuhalten.

Der menschliche Körper erhält zwei Pulse, den Zhen und den Du; Mann und Frau funktionieren mit zwei entegegensätzlichen Pulsen, die Frau hat den schwächeren Puls nach außen hin und den stärkeren Puls nach innen und der Mann genau umgekehrt.

Der Zhen Puls birgt in sich die Kraft des Blutes und der Du Puls birgt im Antrieb der Luft.

In der Praxis müssen wir uns auf die relevanten Kanäle des körperlichen energetischen Kreislaufes konzentrieren.

Die Energie zirkuliert ausgehend vom Tan Tien (der sich vier Finger unterhalb des Bauchnabels befindet) und den Körper in zwei Teile trennt; auf einer Seite steigt er von der Brust zum Kopf hin und neigt sich vom Rücken bis hin zum Punkt Huiyin runter und zum anderen läuft er vom Tan Tien aus und bildet einen Kreis und umfasst die Taille.

Wenn wir mit den Übungen anfangen, müssen wir unsere Konzentration und Atmung auf den Tan Tien richten, und uns diese Energie, die in diesen zwei Kanälen läuft, bildlich vorstellen, während wir den Atem anhalten und so ruhig wie das Zwitschern eines Vogels sind.

 

Die charakteristischen Techniken

Das Tai-Chi lehrt uns eine Technik, die hauptsächlich auf der Bewegung der Explosionen des Körpers basiert.

Diese Bewegung wandelt diese innere Explosion in eine Art Wirbelsturm, der einen Krampf von Fuß bis Kopf provoziert, und der sich im letzten Moment freimacht und sich wie ein Peitschenschlag gegen die Attacken des Feindes richtet.

Die Kunst der Attacke ist vergleichbar mit dem Beispiel von einem Adler, der ein Kaninchen greift. Man muss die Kontrolle mit dem körperlichen Kontakt halten, aber ohne sie zu ergreifen.

Die Attacken im Tai-Chi üben einen Druck auf konkrete Oberflächen aus, aber nicht wahllos.

Diese Oberflächen entsprechen oft Sehnen und Nerven, Arterien und Venen, denn wenn man auf die Achsenpunkte Druck ausübt, passiert es, dass Knochen sich verschieben und ausrenken, Muskeln und Sehnen sich teilen.

Wir benützen als Waffe die Handfläche, den Handrücken, die Faust, die Schulter, den Unterarm, den Ellbogen etc...Der Daumen und kleinen Finger können sich wie die Zeiger einer Uhr drehen, im Uhrzeigersinn dem ZHEN entsprechend, oder gegen den Uhrzeigersinn dem FAN entsprechend.

Die Handfläche kann man auch in Bewegungen benützen, die im Uhrzeigersinn oder gegen die Bewegung gerichtet sind; zum Beispiel eine Hand ist oben und die andere unten oder umgekehrt.

Bewegungen mit dem Fuß können acht verschiedene Techniken benützen, der Spann, die Ferse, die innere Kurve von der Fußsohle, der Fußrücken, die Ferse und seine Varianten in 45 Grad, auch empfohlen sind die Kehrungen, und die Drehungen im Tornado.

Die Stellung des MAPU( Pferderitt) ist die wichtigste, da diese erlaubt, das Gewicht des Körpers zu ändern und es auf eine Seite oder eine andere zu verlegen, je nach der Art von Angriff.

Wir gehen auch mit der Stellung des XIEBU um, die auf der Ferse sitzt. XIBU in der Drehung, DULIBU auf nur einem Bein, während man den Oberkörper anhebt und die Lage des PUPU sehr niedrig ist, um so die Sehnen zu stärken.

Dieser Stil verlangt viel Beweglichkeit und es ist wichtig, mit dem Training sehr jung anzufangen, denn wenn die Sehnen und Muskeln noch nicht so steif sind, ist es einfacher, diese Erweiterungen herbeizuführen und dann ein ganzes Leben lang zu erhalten.

Wenn wir mit dem Training nicht ganz so jung anfangen, können wir feststellen, dass unsere Stellungen härter sind und wir schlechter ästhetische Stellungen halten können und diese uns auch nicht genügend Kraft in dem Moment der Ausübung bringen..

Wir müssen uns immer im Klaren darüber sein, dass die wichtigste Stellung die MAPU ist; da diese es uns erleichtert, mit dem Körper Drehungen auszuführen.

Den Kopf immer aufrecht halten und nach vorne schauen, aber ohne dabei den Blick zu verlieren; man muss immer schön aufmerksam sein, ohne dabei einen bestimmten Punkt zu fixieren, aber auch nicht einfach nur in die Leere starren. Auch sollte man mit dem Gehör aufmerksam sein, der Nacken darf nicht steif, sondern muss konzentriert sein, die Brust aufrecht, den Bauch nach innen, aber weder ein Hohlkreuz formen, noch den Hintern rausstrecken.

All dies erlaubt einen bei Attacken oder Verteidigungen sich zu drehen, dadurch dass die Wirbelsäule sich frei nach links, rechts und um 45° wenden kann.

Der Hintern muss so bleiben, als ob wir auf dem Wasser sitzen würden; immer in einer fixen Stellung, aber gleichzeitig mit genügend Reaktionsvermögen, so dass wir im Moment der Bewegung nicht

festgefahren sind.

Ein steifer Hintern fixiert uns zu sehr an den Boden, um uns noch gewandt zu bewegen; wenn der Gegner von links angreift, können wir unser Gewicht nach rechts verlagern und umgekehrt, somit vermeiden wir Angriffe gegen die Muskeln und gegen die Knie, da wir dank unserer Stellung dazu fähig sind, diese im richtigen Moment, dem Angriffswinkel zu entziehen. Wir müssen die Sicht immer gegen die Attacke richten.

Es werden kreisende Bewegungen benützt. Wie ich schon gesagt habe, wenn eine Hand nach oben fährt, geht die andere nach unten.

Wenn der Körper nach oben fährt, so wird er als nächster Schritt sich beugen und wenn eine Hand oben die Stellung behält, so bleibt die andere unten, bis die Stellung sich wechselt und sich ein kontinuierliches Spiel der entgegen gesetzten Stellungen ergibt.

Das Erlernen ist so ähnlich wie zur Zeit unserer Geburt, als wir noch diese kreisende Bewegung mit Armen und Beinen gemacht haben. Diese haben wir jedoch in der Zeit unseres Heranwachsens verlernt.

Als Kinder waren all unsere Bewegungen rotierend, sei es zum Zweck der Verteidigung als auch allem Unbekannten gegenüber. Mit dem Tai-Chi Chen müssen wir das kreisende System unserer Bewegungen zurückerobern.

 

Die bedeutendsten Bewegungen unseres Stiles sind:

• Der berühmte Kranich, der seine Flügel ausstreckt: Baihe Liangehi.

• Mit den Knien fegen, in Kombination mit dem Vorwärtsschritt: Louis aobu.

• Zurückweichen mit kreisenden Unterarmen: Daojuan gong.

• Den Schwanz des Sperlings rechts ergreifen: Youlan quewei.

• Den Schwanz des Sperlings links ergreifen: Zoulan quewei.

• Tritte mit der Ferse: Ti dengjiao.

• Sich nach vorne/ hinten balancieren: Chuansuo.

• Den Körper drehen, abweichen, ausweichen, schlagen: Zhuanshen Banlanhui.