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IP MAN Wing Chun DVD Kung Fu

 

IP MAN Wing Chun

Am 24. Dezember 2016 letzten Jahres kam "IP Man 3" in Asien heraus und kam im Januar in den USA in limitierter Auflage in die Kinos. Die Regie wurde wieder, wie bei den vorherigen, von Wilson Yip Wai-Shun geführt und von Donnie Yen dargestellt. Die Produktion wurde durch eine exzellente Besetzung an Darstellern und Spezialisten bereichert, unter anderem ist Mike Tyson zu erwähnen, der sich während der Dreharbeiten einen Finger brach; Danny Chan, der Bruce Lee darstellt, eine Rolle, die ihm vertraut ist, da er den König der Kampfkünste in der Serie "Die Legende des Bruce Lee" (2008) darstellte und ihn in "Shaolin Soccer" imitierte; Liang Chia-Jen, der bei Liebhabern des Hong Kong Kinos mehr als bekannt ist, mit 139 Filmen in seiner Filmographie; Kent Cheng mit 132 Filmen und Max Zheng ("Der Großmeister") und viele mehr. Die Choreographie wurde vom möglicherweise besten Choreographen Hong Kongs geleitet, Yuen Woo Ping, der Jackie Chan mit "Die Schlange im Schatten des Adlers" und "Der betrunkene Meister im Auge des Tigers" bekannt machte und weltweit durch seine Arbeit in der Sage "Matrix" und "Tiger and Dragon" berühmt wurde.
Auf Grund des Interesses, das durch den Film und die Biographie des Großmeister IP Man Schwarzgurt ausgelöst wurde, präsentieren wir euch diesen Monat einen biographischen Artikel des Sifu.

IP MAN Wing Chun

Hinter dem unverwechselbaren Anblick eines freundlichen Greises, der immer lächelt, groß und schlank ist, mit Glatze, verbirgt sich ein außergewöhnlicher Mensch, dessen legendäre Biographie ihn zu einem der "unsterblichen" der Kampfkünste machte. Die meisten kennen ihn als "Meister von Bruce Lee", doch Yip Man war viel mehr als das. Er war ein Ausnahmekampfkünstler, Meister der Meister und ohne Frage der Verbreiter des Wing Chun in der Welt.
Die Figur Yip Man (Ip Man & Ye Wen) ist unbestritten. Er würde aber nicht den internationalen Schutz genießen, den er heute hat, wäre er nicht Meister und Mentor von Bruce Lee gewesen.
Neben dem, was er geschrieben und verbreitet hat, war Bruce Lee nur "ein weiterer Schüler" von Yip Man. Der Kleine Drache erreichte nie ein höheres Niveau innerhalb dessen Stils. Als Bruce Lee nach Amerika aufbrach, gab es in der Schule viele Schüler, die weiter fortgeschritten waren als er. Zudem und im Gegensatz zu dem, was erzählt wird, versuchte Bruce kaum mit Yip Man zu trainieren. Der Sidu war sehr traditionalistisch, lehrte nach alter chinesischer Sitte. Als "Patriarch" der Schule trainierte er direkt nur mit den besten Schülern (die "Älteren Brüder"), welche ihrerseits die anderen Schüler trainierten. Das erklärt, warum Bruce den Großteil des Wing Chun aus der Hand anderer Schüler, wie William Cheung oder Wong Shun Leung gelernt hatte. Der Kontakt zwischen Bruce Lee und Yip Man war daher flüchtig und äußerst sporadisch.
Das Leben von Yip Man besitzt jedoch die nötigen Zutaten, um für eigene Verdienste zur Legende zu werden; doch bevor wir uns in die Geschichte seiner trübsinnigen Erlebnisse stürzen, sollten wir die Vorgänger seiner Kunst und seiner Meister kennen lernen.
Die Legende besagt, dass das Wing Chun etwa im 16. Jahrhundert von einer buddhistischen Nonne namens Ng Mui erschaffen wurde, die das eigentümliche Kampfsystem erdachte, indem sie einem Kranich und einem Fuchs beim Kämpfen zusah. Die Kunst wurde jahrhundertlang heimlich weitergetragen, wie es die Theorie erfordert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Leung Jee der 5. Hüter des Stils, ein Kräutergärtner, der den Kampfkünsten sehr zugetan war. Dieser lebte in Fatshan, einer Stadt in der Provinz von Kawantung im Süden Chinas. In der ganzen Provinz war der friedliebende Gärtner bekannt für seine ungewöhnliche Effizienz im Kampf. Wer sich traute, ihn herauszufordern wurde geschlagen aufgrund dessen teuflischen Art sich zu bewegen und wegen seiner Lieblingstechnik, der Eisenhand. Leung Jee war eigentlich sehr friedlich, aber je mehr sein Ruf wuchs, umso mehr Kämpfer wollten sein Geheimnis entdecken.
Chan Wah Sun, ein weiterer hervorragender Meister und Kämpfer dieser Zeit wollte unbedingt unter Leung Jee trainieren. Doch dieser, treu der hermetischen Art der Kampfkünste von damals, weigerte sich, seine Kenntnisse mit Wah zu teilen. Leung behielt seine wertvollsten Lehren für seinen Sohn Leung Bik, der 6. Hüter des Stils werden sollte. Ab einem gewissen Alter entschied er, Bik seine Kunst hinter verschlossener Tür zu zeigen. Jede Nacht trafen sich die beiden im Kräutergarten, um zu trainieren. Chan Wah Sun wollte seine Wechselstube (so verdiente er sein Geld) an einen angrenzenden Ort, neben Leungs Kräutergarten übersiedeln, um den Meister auszuspionieren und seine Geheimnisse zu erlernen. So eignete sich Wah Nacht für Nacht, verborgen in der Dunkelheit, alle Lehren von Leung an. Dieser aber hatte trotz seines Greisenalters kein bisschen von seiner Brillanz verloren und brauchte nicht lang, um auf die Präsenz des ungebetenen Zuschauers zu antworten. Doch er tat so, als habe er ihn nicht entdeckt und begann alle Konzepte und Ausweichmanöver falsch zu lehren, um Wah zu verwirren. Dann wollte er tagsüber, während Wah arbeitete, seine Lehren richtig stellen, damit sein Sohn das wahre Wing Chun erlerne. Wah übte also eine falsche, komplett verfälschte Version, ohne Ausweichen und voller falscher Konzepte.
Dennoch machte Chan Wah Sun, der sehr aufgeweckt und vor allem talentiert war, im Kampf Fortschritte, indem er das, was er lernte, modifizierte und es an die Kampfwirklichkeit anpasste. Das Ergebnis war, dass er nicht das echte Wing Chun erlernte, aber er veränderte den Unsinn, den Leung Jee ihm "beibrachte" so, dass er die Techniken tatsächlich wirksam für den Kampf machte. Der Beweis ist, dass Wah nach dem Tod von Leung Jee, Leung Bik herausforderte und um die Nachfolge des Hüters des Stils in einem Duell kämpfte. Und er gewann diesen Kampf. Wah war sich sicher, er hätte wegen der heimlich gelernten Wing Chun-Techniken gewonnen, obwohl er in Wahrheit trotz ihnen gewonnen hatte. Leung Bik war ohne Zweifel noch sehr unerfahren, um sich erfolgreich gegen einen Kämpfer durchzusetzen, der bereits Tausend Kämpfe gefochten hatte, wie Chan Wah Sun. Bik, dessen Ehre verletzt und Seele gedemütigt war, verschwand aus der Region und Wah wurde der neue Kopf des Wing Chun Stils, einer Kunst, die er eigentlich nicht kannte! Doch er erforschte weiterhin auf eigene Faust andere Kampfkünste.
Wahs Sieg und seine neue Rolle als Hüter des Stils trugen ihm solches Ansehen ein, dass er am Ende eine eigene Kampfkunstschule eröffnen und seine Arbeit als Geldwechsler aufgeben konnte, die er so hasste. Er begrub den Beinamen "Geldwechsler Wah" und wurde bekannt als "der Mann aus Holz", wegen einer Aufführung, die er gab, in der er mit seinen Fäusten eine feste Trainingspuppe aus Holz zertrümmerte. Das "Geschäft" mit den Kampfkünsten war jedoch damals nicht besonders lukrativ, denn man lehrte sehr kleine Schülergruppen. Daher suchte Chan Wah Sun den Schutz eines "Mäzens", der ihm einen Teil seines Hauses gratis für seine Schule überließ. Es war genauer gesagt die Familie Yip, einer der reichsten in der Stadt Fatshan, die ihn in ihrem Anwesen aufnahm. Der Patriarch der Familie Yip, Yip Oi Do beschloss, einen so angesehenen Kampfkünstler aufzunehmen, damit sein Haus und seine Besitztümer sicher waren.
Die Familie Yip hatte unter ihren Söhnen einen feinen und kränklichen jungen Mann namens Yip Man, der am 14. Oktober 1893 geboren war. Seit frühester Kindheit erhielt er eine traditionelle Erziehung, die jedem Sohn der hohen Bourgeoisie Chinas vorbehalten war: Studium der Philosophie, Literatur und klassische chinesische und westliche Poesie, so wie bestimmte noble Künste, wie die Kalligraphie und die Malerei. Die Bestimmung von Yip Man schien bereits entschieden, nämlich später Handel zu studieren und Teile der Familiengeschäfte zu leiten. Doch sie hatten nicht bedacht, dass ihr schwacher Sohn einen eigenen und zudem sehr starken Willen hatte. Von Kindheit an floh er, wann er konnte, aus der Überwachung seiner Betreuer, um zu sehen, wie die Schüler des "Schützlings" seines Vaters trainierten, und es schien ihn zu faszinieren.
Schon mit neun Jahren entschloss er sich mit dem alten Meister Wah, der zu diesem Zeitpunkt bereits 60 Jahre alt war, zu sprechen und bat, in seine Klasse aufgenommen zu werden. Wah nahm den Vorschlag nicht allzu ernst: Es handelte sich um ein Kind, noch dazu aus guter Familie, weshalb (so dachte der Meister) er launisch und unbeständig sein würde. Die Situation war nicht leicht. Einerseits hätte es Wah nichts ausgemacht, ihn aufzunehmen, wenn er nicht bereits ernste Raumprobleme mit seinen 16 Schülern gehabt hätte. Andererseits konnte er Yip Man nicht einfach zurückweisen, schließlich war er der Sohn seines "Gönners", des Menschen, der ihn beherbergte. Um sich vor dieser Zwickmühle aus der Affäre zu ziehen, entschloss sich Wah, Yip Man für dreihundert Silbertaler aufzunehmen. Dies entsprach einer sehr hohen Summe, weshalb der Meister annahm, dass Yip Man diese mit nur 9 Jahren nicht in Jahren zusammenbringen würde. Wah glaubte, das Dilemma gelöst zu haben, als Yip Man am nächsten Tag mit der geforderten Summe ankam. Er hatte seit Jahren jeden Lohn seiner Eltern angespart. Der alte Meister konnte also nicht anders, als ihn als Schüler, ohne das Geld natürlich, zu akzeptieren.
Dem Vater von Yip Man war es ein ziemlicher Dorn im Auge, dass sein Sohn mit Wing Chun begann. Die Zukunft war für etwas anderes reserviert und zudem waren die Kampfkünste seit den Boxeraufständen nicht gern gesehen in den bürgerlichen Kreisen Chinas. Aber Yip Oi Do beging den gleichen Fehler wie Chan Wah Sun: Er dachte, dass es sich nur um eine vorübergehende Laune seines Sohnes handelte, der, sobald er das harte Training spürte, von seinem Streben in den Kampfkünsten ablassen würde. Andererseits hielt er es auch für einen großen physischen Vorteil, denn die Kampfkünste würden seinem schwachen Sohn helfen.
So wurde Yip Man vor der Skepsis aller, die ihn umgaben, mit nur neun Jahren in die Welt des Wing Chun eingeführt. Wenn den jungen Mann etwas auszeichnete, waren es sein außergewöhnlicher Wille und Anspannung.


IP MAN Wing Chun 2

Wah, der ihn anfangs überhaupt nicht ernst nahm, erlegte ihm eine extrem straffe Trainingsdisziplin auf, um den jungen Bourgeois zu entmutigen. Aber je schwieriger es Yip Man gemacht wurde, desto mehr gab er sich diesem Training hin. Nach einigen äußerst harten Probemonaten entschied der Meister, der von der außergewöhnlichen  Bestimmtheit seines jüngsten Schülers überrascht war, ihn als Benjamin in der Wing Chun-Familie aufzunehmen. Mit den Jahren gewann Yip Man den Respekt seines Meisters und der "Älteren Brüder", so dass Wah sich ernsthaft vorstellte, ihn darauf vorzubereiten, sein künftiger Nachfolger zu werden.
1911 stirbt Chan Wah Sun, der Meister von Yip Man, plötzlich. Yip Man ist erst 13 Jahre alt und hat 4 Jahre Praxis im Wing Chun hinter sich. Er trainiert unter Aufsicht der tüchtigsten Schüler der Schule, den "Älteren Brüder ", noch 3 Jahre weiter.
Als er 16 Jahre alt ist, schickt ihn sein Vater auf das Internat St. Stephen College, ein katholisches Institut in Hong Kong, um Englisch zu lernen und westliches Wissen in seine Erziehung aufzunehmen. Dort bilden das harte Internatsleben und der Wettbewerb seiner Mitschüler in Yip Man einen Charakter aus Eisen und lassen ihn seine Kampffähigkeiten bei zahlreichen Streitigkeiten zwischen den Schülern erproben. Seine Kampfeffizienz ging so weit, dass er bald keinen Gegner mehr in der Schule und in der Umgebung hatte.
Dennoch suchte der impulsive Yip Man beständig Streit, um seine Kampfeffizienz zu verbessern. Einer seiner Freunde erzählte ihm von einem exzentrischen Gung Fu Schüler, der in einer Seidenfabrik am Hafen arbeitete und den Ruf hatte, unbesiegbar zu sein. Eines Abends lenkte Yip Man seine Schritte zum Hafen, um das Fischerboot zu suchen, in dem der angesehene Kämpfer leben sollte. Als er ihn endlich fand, schrie er von der Anlegestelle aus seine Herausforderung heraus. Er fand keine Antwort, also schmiss er beleidigt einen Stein gegen das Boot. Da fragte ihn eine tiefe Stimme ruhig, was er hier verloren habe. Yip Man antwortete trocken und herausfordernd: "Du sollst unbesiegbar sein. Ich möchte gegen Dich kämpfen." Ein Mann um die 50 erschien an Bord, sah Man von oben bis unten an und sagte: "Du bist sehr jung und dünn. Ich will meine Zeit nicht verschwenden, aber ich gebe Dir eine Chance: führe ein Tao (Form oder Kata im Gung Fu) aus und wir werden sehen, ob Du es wert bist". Yip Man ließ sich von der überheblichen Verachtung des Kämpfers nicht einschüchtern und führte behände und kräftig den Stil Lum Tao, eine Form im Wing Chun, aus. "Einverstanden",  sagte der Herausgeforderte lächelnd, "ich gewähre Dir die Gelegenheit, aber der Kampf findet auf meinem Boot statt..." Yip Man ging an Bord und sie nahmen Haltung an. Plötzlich stürzte sich Man auf seinen Gegner und schlug blitzschnell zu. Doch der Mann hielt alle Schläge mit erstaunlicher Natürlichkeit ab und schickte den Jungen ins Wasser. Man schwamm zum Boot, kletterte an Bord und griff seinen Widersacher mit doppelter Wut erneut an. Dieser blockte alle Attacken erneut mit teuflischer Leichtigkeit und Man tauchte erneut ins kalte Wasser des Hafens ein.
Da verstand Yip Man, dass er vor einem außergewöhnlichen Gung Fu Meister stand, weshalb er nass bis auf die Haut demütigst drum bat, sein Schüler sein zu dürfen. Der Mann kehrte ihm aber ohne zu antworten den Rücken und begann, das Abendessen zu bereiten. Von da an kam Yip Man jede Nacht zum Schiff des Meisters mit Gaben und Geschenken, er wusch ihm sogar die Wäsche und kochte das Essen; trotzdem richtete der Mann nie ein Wort an ihn.
Doch nach etwas mehr als zwei Monaten öffnete der Meister angesichts der respektablen Hartnäckigkeit des jungen Mannes endlich den Mund und fragte: "Wer hat Dich die Kampfkünste gelehrt?" - "Meister Chan Wah Sun aus dem Wing Chun Stil." Bei dieser Antwort verrieten die friedlichen Züge des Meisters eine intensive Emotion, die Yip Man nicht interpretieren konnte. Der geheimnisvolle Kämpfer betrachtete lange den Horizont und als er sich umdrehte, sah er Man direkt in die Augen und sagte: "Einverstanden, ich lehre Dich meine Kunst. Ich lehre Dich die wahre Kunst des Wing Chun." Yip Man erstarrte: Was hieß das? Er glaubte, dass es nur diesen einen Stil des Wing Chun gab, den er direkt aus der Hand des Hüters der Schule gelernt hatte. Beim erstaunten Ausdruck des Jungen fuhr der Meister fort: "Mein Name ist Leung Bik und ich bin der Sohn dessen, der Deinen Meister unterrichtete. Ich bin zudem der 6. Hüter des Stils und der einzige lebende Wing Chun Kämpfer." Bik erklärte Yip Man, warum und wie sein Vater Wah getäuscht hatte, weshalb dieser nie das ursprüngliche Wing Chun gelernt hatte.
Yip Man hatte bisher nicht mehr als einen sonderbaren, total verfälschten und mit vielen anderen Kampfkünsten gemischten Wing Chun-Mix gelernt, die Chan Wah Sun in seinem gehetzten Leben erforscht hatte. Obgleich dieses Hybrid zweifellos effektiv im Kampf war, handelte es sich nicht im das ursprüngliche Wing Chun. Dies hatte nur in der Person Leung Bik überlebt, der es nie jemandem gezeigt hatte, noch vorhatte, das jemals zu tun. In diesem Sinn darf man behaupten, dass das echte Wing Chun bei Leung Biks Tod für immer verloren gegangen wäre, wenn das Schicksal nicht gewollt hätte, dass zufällig ein junger Dickkopf namens Yip Man Biks Weg kreuzte und zum Bewahrer dieser außergewöhnlichen Kampfkunst wurde.
So wurde Yip Man zu Biks Schüler und lernte das eigentliche, unversehrte Wing Chun, also mit den geheimen Techniken. Leung Bik starb nach wenigen Jahren, doch es waren genug, damit Yip Man mit Entschlossenheit und Hingabe alles erlernte, was sein Sifu wusste. Yip Man kehrte nach Fatshan zurück, seine Heimatstadt, wo er als offizieller Nachfolger des echten Wing Chuns in den 40er Jahren begann, Unterricht für 4 oder 5 Schüler zu geben. Doch er war nicht festgefahren im Studium der Kampfkünste, sondern tauschte Techniken und Kenntnisse mit seinen alten Kollegen, den Schülern von Chan Wah Sun, aus.
Er war noch ein junger Mann, weshalb ihm die starre Hierarchie nicht gefiel, die für Gung Fu Schulen damals typisch war. Von Beginn an baute er wahre Freundschaften zu seinen Schülern auf. Er wollte von ihnen nicht "Patriarch" genannt werden, bevorzugte den Spitznamen "Man-Sok", also "Onkel Man". Später wurde Yip Man mit den Jahren viel strikter und traditionell und führte in seiner Schule das typisch hierarchische Schema Patriarch-Ältere Brüder-Anfänger ein. Aber in den 40er Jahren führte er eine andere Norm ein, die er, im Gegensatz zur ersten, nie brach bis hin zu seinen letzten Tagen: Er nahm nie Geld für seinen Unterricht, er lehrte aus purer Freude und wollte nicht, dass Geldsorgen seine Schule belangten.


IP MAN Wing Chun 3

Damals begann er für sein Vergnügen zu arbeiten, als Chef der Polizeistation von Fatshan. Bald eilte ihm sein Ruf voraus, alle kannten seine seltsame Fähigkeit, Gesetzesbrecher zu reduzieren und zu fassen. Seine Taten wurden in der Gegend berühmt. Eine davon war, alleine eine Bande von acht gefährlichen Verbrechern unschädlich zu machen. Auch stellte er sich gegen viele Gung Fu-Experten, von denen viele "Streitsucher" waren.
Als 1949 die Volksrevolution in China begann, floh Yip Man nach Macao, doch er schlug keine "Wurzeln" in dieser Stadt. Nach kurzer Zeit zog er nach Hong Kong, wo er sich für den Rest seines Lebens niederließ. Kaum war er in der britischen Kolonie angekommen, erlaubte ihm Lee Man, der Gewerkschaftssekretär der Restaurantarbeiter, seine Einrichtungen für den Unterricht zu nutzen. In diesem Lokal begann Yip Man seine erste Schülergruppe zu unterrichten. Sein Unterricht begann im Juli 1950. Schnell wurde er zum höchsten Wing Chun Vorführer in Hong Kong und erlangte den Ruf eines außerordentlichen Meisters, wenn auch etwas exzentrisch. Letzteres kam daher, dass er keine Werbung für seine Schule machte, kein Geld für den Unterricht nahm und nie Schüler einfach so aufnahm - wenn jemand in seine Schule eintreten wollte, soll Yip Man ihm monatelang nachgeforscht haben, bevor er ihn definitiv aufnahm. Wenn er einen Anwärter abwies oder einen Schüler rauswarf, konnte nichts seine Meinung mehr ändern.
In den 50er Jahren kamen aus Yip Mans Schule eine Reihe außergewöhnlicher Kampfkünstler. Namen wie Tsui Sheung Tin, Ho Kam Ming oder Wong Shun Leung stehen schon in goldenen Lettern in der Geschichte des Wing Chun und der Kampfkünste. Sie alle waren unter der Obhut des "lächelnden Sifu". Der Bekannteste von ihnen, Wong Shun Leung kam im Jahr 1954 eines Nachmittags zum ersten Mal in die Schule von Man, bat, dass man ihm die Effizienz des Wing Chun im Vergleich zum Boxen zeigte, eine Disziplin, in der er damals ein echter Experte war. Der Beweis war so überzeugend, dass er sich seitdem völlig in die "Familie" von Yip Man integrierte. Wenig später wurde er zu einem der herausragendsten Vertreter der Schule, bekannt bei Praktizierenden anderer Gung Fu-Stile als "der Anschnauzer", denn jeder Vorwand passte ihm, um fast jeden relevanten Kampfkünstler von Hong Kong herauszufordern. Tatsächlich war der Ruf, den die Wing Chu-Stilisten allgemein bald weg hatten, der von richtigen "Rude Boys" (rüde, zänkisch, streitsuchend), die ständig herausforderten, um sich im Kampf beweisen, ihre Fertigkeiten verfeinern und Stil und Schule öffentlich machen zu können.
1955 hatte sie schon an die 30 Schüler, wenn die meisten den Unterricht auch verließen, als Yip Man den Kwoon (Dojo) in die Lee Tat Straße in Kowloon verlegte. Die neue Lage war mitten in den niederen Vierteln von Hong Kong, weshalb Yip Man vielen, etwas beunruhigenden und verdächtigen Bewerbern den Zugang verweigern musste. Doch er sammelte auch ein paar Perlen vom Format eines William Cheung oder Bruce Lee auf. Diese waren zwei richtige Halbstarke aus der Unterschicht, die dennoch viel mehr Leidenschaft und Begeisterung zeigten, als viele Veteranen. Bruce, der damals ein respektloser und unzähmbarer Angeber war, brachte Yip Man jedoch viel Respekt entgegen, wie sich Jesse Glover erinnert, Bruce Lees erster Schüler: "Bruce sprach von Yip Man stets mit großem Respekt und ich glaube, er war sehr stolz darauf, einer seiner Schüler zu sein. Ich weiß noch, dass er oft von Yip Man erzählte, dass er, obwohl er nicht einmal 50 Kilo wog, eine Schlagkraft hatte, die stärker war, als die jedes seiner Studenten, stärker als die von William Cheung, der 1,75 m groß war und über 80 Kilo wog. Er erzählte auch, dass Yip Man mit 65 Jahren noch so behände war, dass ihn niemand im Kampf berühren konnte."
Kurz nach Beginn des Unterrichts erfuhr Bruce eine Geschichte, nach der Yip Man kürzlich einen anderen Gung Fu-Meister mit nur einem Schlag getötet haben soll, weil der sich weigerte, die Schule zu verlassen, nachdem er das Wing Chun und den Sifu selbst beleidigt hatte. Bruce Lee glaubte, die Geschichte sei wahr, denn er kannte die außergewöhnliche Wirkung seines Meisters. Der Kleine Drachen war eine viel versprechende Figur in der Schule, doch er verließ sie früh, um in die USA zu emigrieren. In den ersten Jahren seines "amerikanischen Abenteuers" schrieb sich Bruce regelmäßig mit Yip Man, erzählte von seinen Fortschritten und erklärte, dass er Wing Chun-Unterricht an zahlreiche amerikanische Schüler gab. Er bat Yip Man, seinen weitesten Schüler in die Wing Chun-Familie aufzunehmen, den Afroamerikaner Jesse Glover. Anscheinend regte sich Yip Man darüber sehr auf, denn damals dachte er, dass das Wing Chun nur der chinesischen Rasse vorbehalten sein sollte. Es war wie ein Vorteil gegenüber den Menschen im Westen. Aber 1965 änderte er sich radikal und erlaubte öffentlich, dass das Wing Chun ohne Unterscheidung der Rasse oder Nationalität gelehrt werden sollte.
1968 wurde Yip Man mit 70 Jahren ein Magenkrebs entfernt, durch den er seinen Rückzug aus der Lehre ankündigte. Diese Entscheidung war ein harter Schlag für die Wing Chun-Gemeinde, denn Yip Man zog sich zurück, ohne alle Geheimnisse der Kunst offengelegt zu haben. Deshalb besuchte ihn einer seiner Schüler namens Kwok Keung, als er sich noch von seiner Operation erholte, um ihn zu überzeugen, dass er hinter "verschlossener Tür" einen seiner viel versprechenden Schüler namens Leung Ting einweihen sollte. Überraschend sagte Man zu und indem er alle Regeln der Hierarchie übersprang (viele Ältere Brüder oder seine eigenen Kinder hätten bei der Nachfolge bedacht werden sollen), lehrte er dem blutjungen Leung Ting das vollständige Wing Chun, das nur er kannte. Yip Man starb am 1. Dezember 1972 im Alter von 79 Jahren. Leung Ting wurde so zum größten Wing Chun Darsteller und Nachfolger des "lächelnden Sifu". Heute ist das Wing Chun eine der meist praktizierten Kampfkünste auf der Welt und Yip Man wurde aus eigenem Verdienst zum Sinnbild des Kampfkunstmeisters, so dass sein Leben sogar ins Kino kam.

Text: Pedro Conde & Mamen Cañadas Rufo.
Photos: © Budoarchives © Keith Kernspecht